Den Wildtieren auf der Spur

Den Wildtieren auf der Spur

10/03/2008 Aus Von Uta Lösken

Ein nebelgrauer Morgen. Kein Regen, kein Schnee, kein Frost. Rechtzeitig zum Beginn unseres „Wildtiere-Tages“ riss der Himmel auf, zeigte Blau und eine blasse Sonne. Mittelagger hatte wieder mal Glück.

Auf dem Spielplatzgelände standen bereits ein großer Pavillon und einige Bierzelt-Garnituren, als der Anhänger der Rollenden Waldschule ausgepackt wurde. Stellwände mit Vögeln und Kleintieren, Tische, auf denen Fuchs und Jungfuchs friedlich neben Marder und Dachs hockten. Reiher, Bussard und Fasan flogen nicht davon, als die ersten Gäste an ihnen vorbei defilierten, Kinder sanft über Fell und Gefieder strichen. Krähenrufe und Amselzwitschern tönten aus dem CD-Player.

Das Stampfen eines Ein-Zylinder-Diesels kündigte den Traktor an, der uns gruppenweise mit einem Anhänger zum Startpunkt unserer kleinen Wüstenbach-Revier-Safari bringen sollte. Nach zehnminütiger Schaukelfahrt ausgeladen, ging es nun zu Fuß – immer dem Jäger mit Hund hinterher – über Wiesen und matschige Wege, durch Wald und über kleine Bäche.

Wir lernten den Unterschied kennen zwischen Kanzel-Hochsitz und Leitersitz (der bei schlechtem Wetter ausgesprochen ungemütlich sein muss). Auf den feuchten Pfaden konnten wir Wildwechsel gut erkennen, die Spuren von Dachs und Reh sehen. Und die Kinder planschten in ihren Stiefeln durch die Pfützen. Im Wald ging es über Stock und Stein, durch weiches Sternmoos, Hügel hinab und jenseits eines kleinen Baches wieder hinauf auf schmalem Trampelpfad.

An einer feuchten Stelle fanden wir eine Wildschwein-Suhle, in der die Tiere mit einem Schlammbad ihre Körperpflege betreiben. Anschließend reiben sie sich an so genannten Mahlbäumen, um mit dem Lehm auch das Ungeziefer zu verlieren. Wir fragten, warum die Mahlbäume so schwarz glänzende Flecken hätten und warum es so eigentümlich roch. Die schwarzen Flecken sind Buchenholzteer, mit dem die Jäger regelmäßig die Bäume einstreichen. Die Wildschweine mögen den Geruch und reiben sich vornehmlich an diesen Bäumen. Und die Jäger können sehen, wie oft die Schweine da waren.

Nur ein kurzes Stück weiter zeigte uns der Jäger große Löcher im Hang: Dachsbauten. Mehrere Eingänge gehören zu einem Wohnkessel, den der Dachs sich auspolstert mit Zweigen und trockenem Gras. Er mag es wohl gemütlich. Aber er ist auch schüchtern, gesehen haben wir leider keinen.

An einem Pfad, der von verschiedenen Wildtieren genutzt wird, stand eine seltsame Skulptur: ein Baumstamm, auf etwa 1,50 m Höhe abgesägt und darauf ein weißer Block mit Nägeln befestigt. Ein Salzstein. Vom Regen löst sich das Salz langsam auf und benetzt den Stamm. Das Wild braucht das Salz, leckt am Stamm und holt sich seine Ration.

Wildschweine sind außerdem ganz wild auf Würmer und Engerlinge. Die suchen sie sich mit Vorliebe auf Weiden, indem sie mit ihren Schnauzen das Gras anheben und den Boden durchwühlen. Eine Wildschweinrotte kann so bei Landwirten großen Schaden anrichten, denn eine Wiese, die sie besucht haben, sieht aus wie umgepflügt.
An manchen Stellen legen die Jäger auch Mais aus, das nennt man Kirrung. Der Mais wird unter Steinen versteckt, die die Wildschweine locker zur Seite wuchten, um an die Leckerchen zu kommen. Eine Uhr, die auf Bewegung reagiert und Zeiten abspeichert, informiert die Jäger, wann die Wildschweine dort waren.

Auf dem letzten Stück unseres Weges konnten wir Schäden sehen, die das Orkantief „Kyrill“ im letzten Jahr verursacht hatte: ein großer Windbruch. Auch hier war ein ganzer Wald dem Sturm zum Opfer gefallen.
Einzelne Bäume, die schon länger tot waren, wurden von Baumpilzen besiedelt, die wie Diskusscheiben an den Stamm geheftet schienen. Und bei genauem Hinschauen entdeckten wir Löcher im Stamm. Spechte hatten die toten Bäume zu ihren Wohnplätzen auserkoren und ihre Höhlen hineingehämmert.

Nach der Rückfahrt zum Spielplatzgelände mussten Kinder und Jugendliche zeigen, ob sie unterwegs gut aufgepasst hatten. Zehn Fragen galt es zu beantworten, um zum Wüstenbach-Sheriff ernannt zu werden und einen Sheriff-Stern-Button zu bekommen. Und alle haben sie ihn bekommen.

Bei Sonnenschein, milden Temperaturen und Würstchen haben wir den Nachmittag ausklingen lassen. Und weil die Jugend immer noch reichlich Energie hatte, haben sich Mädchen und Jungen auf dem Bolzplatz ein ausgiebiges Fußballmatch geliefert.
Wer gewonnen hat? Ich denke, es wird unentschieden ausgegangen sein.

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